Wie funktioniert ein Flugradar?
Ein Flugradar im Internet nutzt kein Radar im klassischen Sinn. Die Flugzeuge melden ihre Position selbst, und ein Netz von Bodenempfängern sammelt diese Meldungen und zeigt sie auf der Karte. Hier erklären wir, woher die Daten auf der FlyRadar-Karte stammen, wie du sie liest und was sie nicht zeigen.
ADS-B – das Flugzeug meldet sich selbst
Bei ADS-B (Automatic Dependent Surveillance – Broadcast) bestimmt das Flugzeug seine Position per GPS und sendet sie mehrmals pro Sekunde auf 1090 MHz. Die Meldung enthält u. a. die 24-Bit-ICAO-Adresse (auf der Karte „ICAO 24-Bit“, z. B. 3C6589), Position und Höhe, Geschwindigkeit über Grund, Kurs und Steigrate, das Rufzeichen (z. B. DLH1614) sowie den Transpondercode (Squawk).
Das Signal ist unverschlüsselt und kann mit einer passenden Antenne von jedem empfangen werden. In Europa ist ADS-B seit 2020 Pflicht für Flugzeuge mit mehr als 5,7 t Höchstabflugmasse oder über 250 Knoten Reisegeschwindigkeit – praktisch jedes Passagier- und Frachtflugzeug ist daher sichtbar.
Wie die Daten auf die Karte kommen
ADS-B reicht nur bis zum Horizont – bei einem Flugzeug in Reiseflughöhe einige hundert Kilometer. Für eine flächendeckende Abdeckung braucht es viele Empfänger; die meisten betreiben Luftfahrtfans zu Hause mit Dachantenne, günstigem SDR-Empfänger und kleinem Computer.
FlyRadar nutzt die Daten von adsb.lol, einem offenen Community-Netzwerk solcher Empfänger (Lizenz ODbL). Unser Server lädt die Positionen aller Flugzeuge über Polen und Umgebung mit einer Abfrage etwa alle 15 Sekunden und stellt sie allen Nutzern bereit; andere Regionen werden beim Heranzoomen etwa minütlich geladen. Zwischen den Aktualisierungen bewegen wir die Symbole nach Kurs und Geschwindigkeit weiter. Beim Anklicken laden wir zusätzlich die Flugspur seit dem Start für Karte und Höhenprofil.
Routen stammen aus den Datenbanken von adsbdb.com und adsb.lol, Fotos von planespotters.net mit Namen des Fotografen. Das Flugzeug sendet keine Route – sie wird dem Rufzeichen zugeordnet und kann bei Charterflügen abweichen.
MLAT – wenn keine Position gesendet wird
Ältere Transponder (Mode S ohne ADS-B) senden keine Koordinaten. Die Position lässt sich aber per Multilateration (MLAT) berechnen: Empfangen mindestens vier zeitlich synchronisierte Stationen dasselbe Signal, ergeben die Laufzeitunterschiede den Sendeort. MLAT-Positionen sind ungenauer und seltener – im Flugpanel steht das unter „Positionsquelle“.
Warum manche Flugzeuge fehlen
- Kein ADS-B-Sender – Sportflugzeuge, Segelflugzeuge, Ballone und manche Hubschrauber.
- Militär – fliegt oft ohne ADS-B oder sendet es nur in bestimmten Situationen.
- Kein Empfang – tief über dem Boden, im Gebirge oder weit über dem Meer. Das Flugzeug „verschwindet“ dann kurz vor der Landung. Geschätzte Positionen zeigen wir halbtransparent.
- Datensperre – manche Halter von Privat- und Geschäftsflugzeugen lassen Kennungen ausblenden.
Höhe und Geschwindigkeit
Flugzeuge senden die Druckhöhe, bezogen auf den Standarddruck von 1013,25 hPa. In Reiseflughöhe nutzen alle dieselbe Referenz, damit die Staffelung auch bei Wetteränderungen sicher bleibt; die tatsächliche Höhe über dem Meer kann um einige hundert Meter abweichen. Flugfläche FL350 sind 35.000 Fuß, also rund 10.670 m.
Die Geschwindigkeit ist die Geschwindigkeit über Grund. In Reiseflughöhe weht oft ein starker Westwind (Jetstream): Ein Flugzeug nach Osten kann über 1000 km/h erreichen, derselbe Typ nach Westen 150–200 km/h weniger.
Squawk-Codes 7500, 7600, 7700
Der Squawk ist ein vierstelliger Transpondercode, den die Flugsicherung vergibt. Einige Codes haben eine feste Bedeutung:
| Code | Bedeutung | Was meist dahintersteckt |
|---|---|---|
| 7700 | Notfall | Meist ein medizinischer Notfall, ein technisches Problem oder eine vorsorgliche Rückkehr. Die Crew erklärt ihn, um Vorrang zu erhalten. |
| 7600 | Funkausfall | Die Besatzung erreicht die Flugsicherung nicht und fliegt nach festgelegten Verfahren weiter. |
| 7500 | Widerrechtlicher Eingriff | Für Entführungen reserviert. Taucht sehr selten auf, oft durch Fehleingabe. |
| 7000 | Sichtflug (VFR) | Standardcode in Europa für Sichtflüge ohne individuellen Code. |
Flugzeuge mit 7500, 7600 oder 7700 heben wir im Flugpanel und im Filter „Notfall“ hervor.
Flugnummer, Rufzeichen und Kennzeichen
Auf dem Ticket steht die IATA-Flugnummer, z. B. LH1614. Im Funk nutzt das Flugzeug das ICAO-Rufzeichen mit dem dreibuchstabigen Airline-Code, z. B. DLH1614. Die Nummern stimmen nicht immer überein – Ryanair oder Wizz Air verwenden Rufzeichen mit Buchstaben (z. B. RYR5CL). Die Suche versteht beide Formate.
Das Kennzeichen ist das „Nummernschild“ des Flugzeugs. Das Präfix zeigt das Land: D – Deutschland, OE – Österreich, HB – Schweiz, SP – Polen, PH – Niederlande, 9H – Malta (dort ist ein Teil der Ryanair- und Wizz-Air-Flotte registriert).
Eigener ADS-B-Empfänger
Eine ADS-B-Station kostet wenig: ein USB-Empfänger (RTL-SDR), eine auf 1090 MHz abgestimmte Antenne, ein kleiner Computer (z. B. Raspberry Pi) und freie Software wie readsb. Die Antenne sollte möglichst freie Sicht zum Horizont haben; an einem guten Standort empfängt sie Flugzeuge in 200–400 km Entfernung. Die Daten kannst du an offene Netzwerke wie adsb.lol weitergeben und so die Abdeckung in deiner Region verbessern.
Das Radar dient nur zur Information und nicht zur Navigation oder Reiseplanung – Ankunfts- und Abflugzeiten erfährst du bei der Airline oder auf der Website des Flughafens.